What a wonderful world
4 Februar 2009 | Schlagwörter:Society, Thoughts | Keine Kommentare
Es gibt so Begebenheiten die einen daran erinnern, dass die Wirklichkeit anders ist, als es sich Leute vorstellen die mit ihr nichts zu tun haben. Mit “Wirklichkeit” meine ich hier einen Lebenshorizont, der geprägt ist von so etwas wie einer “resignierenden Routine”. Im speziellen den Pendlerzug mit dem ich zur Arbeit und zurück fahre. Ich weiß zwar nicht was da heute den ersten Waggon für sich beansprucht hat, jedenfalls kam keiner rein außer irgendwelchen Fernsehteams, und in Waggon zwei konnte man die “echten” Fahrgäste stapeln. Neben dieser recht nutzlosen Stauung, die jemanden schon ziemlich nervt der einfach nur noch nach Hause will, hatte sich die Bahn noch ein paar mehr Zugaben ausgedacht. Die entsprechenden Schaffner sahen ausnahmsweise einmal nicht aus als wenn sie ihr Gesicht morgens in die Fritteuse halten würden, sprachen hochdeutsch, und überschlugen sich in den Ansagen förmlich an Freundlichkeit. Vermutlich waren die extra für dererlei “Auftritte” ausgebildet. Das Schmierentheater beschränkte sich dann auch auf Waggon Numero Uno, das gemeine Volk blieb eingepfercht auf sich alleine gestellt.
Nun ist die Bahn, wie wir in den letzten Tagen ja plastisch demonstriert bekommen, überhaupt sehr daran interessiert die schönen Schein zu wahren, entgegen aller Realitäten. Aber das Phänomen ist durchaus allgemein zu betrachten. Wenn sich ein Unternehmen vor irgendetwas, oder irgendjemanden präsentieren soll, werden schwere Geschütze aufgefahren, die dazu dienen eine Wirklichkeit vorzugaukeln, die der eines Werbespots zumindest ähnelt. Das ganze hat etwas von einer Provinzposse, wo der Bürgermeister das kleinen Weilers den der Herr Ministerialrat geruht zu besuchen sich in seinen besten Anzug zwängt, und die Mädchenschule irgendein furchtbar schiefes Begrüßungslied vorquieken muss, um mal ein Bild zu bemühen. All das wirkt nun wirklich auf den ersten Blick absolut unecht, und auch unrealistisch.
Aber merkt dies derjenige für den dies aufgeführt wird? Wie gesagt, ich weiß nicht was die da heute gemacht haben. Vermutlich irgendein Fernseh-Beitrag fürs Frühstücksfernsehen, irgend sowas. Nur wird dann eben genau da dieses Bild verkauft. Ohne Müll zwischen den Sitzen, ohne infantile Jugendliche mit dem Handy am Lautstärkeanschlag, ohne heruntergekommenen Sozialhilfeempfänger mit “nicht mehr ganz so” frischer Hose und entsprechendem Duft, etc… Vor allem nicht mit den “original” Servicekräften, die noch nicht einmal wissen wie man “Service” buchstabiert, und die den Waggon Nummer Eins eigentlich eher dazu nutzen sich in geselliger Runde deftige Zoten zu erzählen, und das laut. Da ist einem ein randalierender Betrunkener fast lieber, der ist wenigstens lustig.
Vermutlich ist für die “Entscheider”, die Wirklichkeit das, was sie morgens zwischen der Garage ihres Einfamilienhauses, und der Tiefgarage ihres Büros durch die Scheiben ihres SUV schnell mitbekommen. Das alles in ungeschminkter Vehemenz wird wohl als zu großer Schock eingeordnet.
“S’ils n’ont pas de pain, qu’ils mangent de la brioche!”, hat schon Marie Antionette gesagt. Auf der Guillotine ist sie trotzdem gelandet.
Quo vadis Benedetto
2 Februar 2009 | Schlagwörter:Religion, Society, Thoughts | Keine Kommentare
Hagen Rether hat es uns schon vorher klar gemacht, Ratzinger klingt einfach wie ein billiger Weißwein. Wer das jetzt immer noch nicht mitbekommen hat, findet den Beweis in den aktuellen Nachrichten (man betrachte eine beliebige Publikation). Kein billiger Demagoge ist dem Herrn derzeit zu billig um nicht in Ehren wieder in den Schoß der heiligen Mutter Kirche zurückgeholt zu werden.
Ist man im Vatikan noch um Schadensbegrenzung bemüht, haben betreffenden die Ex-Ex-Kommunizierten nichts besseres zu tun als erstmal gegen alle Glaubensrichtungen (außer dem einzig wahren Katholizismus) zu wettern. Ein gewisser Pater Eberhard von Gemmingen hat hier folgendes “Bonmot” auf Radio Vatikan parat:
“Der Papst will alles tun, damit diese Gruppe von ihren verrückten, schlechten und bösen Positionen abgeht. Er will sie aufnehmen in die Gemeinschaft der Kirche, damit sie das Zweite Vatikanische Konzil voll annehmen und von ihren falschen, dummen Meinungen abrücken.”
“Ja ne, is klar”, möchte man da nur sagen. Bisher sieht “alles tun” eher so aus, das der Pontifex die Krise auf seinem heiligen Stuhl aussitzt. Per Definition unfehlbar, und eben auch nicht abwählbar.
Ich würde ja gerne vermuten das den Jungs jetzt massiv die Schäfchen weglaufen, aber irgendetwas sagt mir, dass Hardlinertum gerade gut ankommt. So gesehen könnte die Sache dann doch durchdacht gewesen sein. Kaum haben die Amerikaner ihren Fundi los, gehts in Europa weiter. Na dann, Hallejuja…
Taking sides
15 Januar 2009 | Schlagwörter:Israel, War, World | Keine Kommentare
In Zeiten durch die Medien gequirlter Krisen nehme ich ja gerne meinen persönlichen Standpunkt für eine der beiden im Zwist stehenden Seiten ein. Was den derzeitigen “Gaza-Konflikt” betrifft habe ich eine recht klare Meinung. Die deutschen Medien übertreffen sich im Moment mit Schreckensmeldungen über zivile Opfer der palästinensischen Bevölkerung im Gaza Streifen. Quasi stündlich wird da irgendein “Soft-Target” getroffen, und wenn schon keiner tot ist, dann wenigstens “dramatisch traumatisiert”. Nun, es gibt so einige Konflikte wo so etwas seit Jahren passiert, ohne das jedes zivile Opfer gleich eine Presse Mitteilung wert ist. Dummerweise stehen im Sudan, Kongo, Nordkorea, Afghanistan, Tschetschenien, $beliebigerandererKrisenherd nicht so viele Kameras rum, was wohl auch daran liegt das diese Gebiete etwas größer sind als der Gaza Streifen, oder Israel selber, wo man, die Sicherheitssperren einmal heraushypothetisiert, in knapp 4 Stunden mit dem Auto durch ist, von Nord nach Süd.
Niemand begreift vermutlich wirklich die genauen Zusammenhänge des Konfliktes, wieder einmal wird ein “Experte” nach dem anderen herbei zitiert der seine wohl-un-fundierte Meinung hierzu breit tritt, und der sich, nach wirklich kurzer Recherche, eigentlich immer als heiße Luft Absonderer herausstellt. Ich habe allerdings auch kein Interesse daran hier zum Experten zu werden, um dies vollständig zu werden müsste man in diesem Schmelztiegel der Konflikte vermutlich überall zugleich sein, und das geht einfach nicht.
Ich bemühe mich daher das Ganze aus einer übergeordneten Perspektive zu sehen. Israel und das jüdische Volk hat seit Jahrtausenden mit Vernichtungsdrohungen, und sehr oft auch mit Vernichtungsversuchen zu kämpfen gehabt. Fürsprecher hat es eigentlich noch nie gehabt, Gegner genug. Alleine deswegen kann man ihm das Recht auf Selbstverteidigung nicht absprechen, vor allem weil es sich bei dieser Bedrohungslage absolut nicht leisten kann zu warten bis diese zu groß geworden ist. Frühzeitiges Eingreifen ist hier überlebensnotwendig.
Es fällt mir schwer mit dem Recht eines autonomen Staates auf Selbstverteidigung zu argumentieren. An dieser Stelle setzt nämlich das Hin und Her wieder ein. Ist Palästina nicht genau so autonom wie Israel? Wer hat angefangen, wer darf was, etc…
Es geht hier nicht um ein Fußballspiel, die Sache hat etwas größere Tragweite. Das jüdische Volk kämpft nach wie vor um Akzeptanz in der Welt. Das sollten wir nicht vergessen. Deswegen:

OMG!
14 Dezember 2008 | Schlagwörter:DnB, Musik, Oddities | 2 Kommentare
OmFg!!! Angucken!
Zirkus
14 Dezember 2008 | Schlagwörter:Economy, Kultur, Musik, Revolution, Zukunft | Keine Kommentare
Ich hatte ja schon vor einiger Zeit meinen Unmut über den Stillstand in der Musik”industrie” kund getan. Das man sich bewegen muss um nicht unter zu gehen haben mittlerweile wohl auch einige aus diesem Genre verstanden. Hier gibt es eine kleine Betrachtung zu dem Thema, wenn auch etwas nostalgisch angehaucht. Wer übrigens Gogol Bordello noch nicht kennt, nachholen. Die regeln.
Morgen
11 Dezember 2008 | Schlagwörter:Geschichte, Globalisierung, Mensch, Revolution, Society, Thoughts | Keine Kommentare
Dies ist ja meist der Zeitpunkt zu dem das goldene Zeitalter endlich kommt. Der Messias, Weltfrieden, abgasfreie Verkehrsmittel, freie Gesundheitsversorgung für alle, oder zum Beispiel für jeden die Möglichkeit frei zu entscheiden wie er lernen will. Eine kleine Vision hat hier Jimmy Wales, einer der Mitbegründer von Wikipedia. Eine Ahnung von kollaborativem Wissen hat er uns mit dieser für (fast) jeden freien Enzyklopädie nun schon gegeben. Warum “fast” frei?
Das Problem ist wie immer der Zugang dazu. Entweder wird dieser durch staatliche Repression blockiert, die benötigten technischen Mittel fehlen, oder beides. Was man hier gerne übersieht ist allerdings keineswegs neu. Als Johannes Gutenberg im 15ten Jahrhundert den Buchruck “erfand” hat man damals eigentlich genau so geredet. Auf einmal waren, bisher handschriftlich verfasste, Bücher in der Lage sich so schnell zu verbreiten, das man in der Lage war sich zu “vernetzen”. Man schrieb ein Buch nicht nur für sich, man nutzte Verweise zu anderen Autoren, wurde selbst zitiert, wissenschaftlicher Austausch wurde hier erst möglich. Auch hier gab es ein Zugangsproblem. Man mußte lesen können, und in die Bibliotheken dieser Zeit kam nur ein erlesener Zirkel an Leuten überhaupt hinein.
Heute nennt man die Verweise Links, und neue daran ist, dass diese nun noch schneller zu setzen sind. Man “verweist” nicht mehr nur auf Bücher, die dann doch initial recht langwierig zu erzeugen sind, sondern auf kurze Anmerkungen, Nachrichten des Tages, oder einfach mikroskopisch kleine Gefühläußerungen.
Dies ist aber bei weitem nicht das Bahnbrechende, und das hat Mr Wales auch gut erkannt. In Zeiten der Aufklärung war es nicht möglich sich mal “so eben” mit den Gedanken eines Autoren aus Japan oder Indien zu vernetzen, wenn man beispielsweise in Südafrika saß. Meistens wußte man noch nicht einmal das es solche Länder überhaupt gab, und wenn doch, gab es eigentlich keine Möglichkeit Informationen überhaupt, und schon gar nicht schnell zu übertragen. Sprachbarrieren kamen ebenfalls dazu, sowie kulturelle, oft geprägt von schlichter Arroganz und Ignoranz gegenüber “irgendwelchen Wilden”, die ja sowieso gar nichts Interessantes zu bieten hätten.
Letzteres ist eine Schranke die wir auch heute noch nicht ganz abgebaut haben. Sprachbarrieren gibt es ebenfalls, aber hier wird es immer leichter Zugang zu einer lingua franca zu finden, wie Englisch, Französisch, Chinesisch oder Russisch. Sprachen sollen leichter erlernbar werden, davon träumt auch Jimmy Wales.
Der Punkt wo ich aber doch skeptisch bleibe ist seine Idee von der “Befreiung” des Menschen. Neue Lernmechanismen sollen sich herausbilden weil die jetzt Heranwachsenden sich neue Wege suchen werden um sich die Welt selbst zu erklären. In meinen Augen ist dies zwar eine recht angenehm zu denkende, aber doch historisch recht abgedroschene Phrase, wo eher der Wunsch der Vater des Gedanken ist. Aber wie die Überschrift des verlinkten Artikels ja schon sagt ist es nur ein Traum. Wenn auch ein schöner.
Auf der Couch mit dem Mastermind
8 Dezember 2008 | Schlagwörter:Film, Revolution, Society | Keine Kommentare
Auf dieser Seite kann mal angucken wie es bei Uwe Boll zuhause aussieht, kostenlos natürlich. Wer den jetzt nicht kennt, Uwe Boll ist der Regisseur so ziemlich jedes verfilmten Hack’n’Slash Computerspiels. Dabei sind die Filme so trashig gemacht, das eigentlich immer eine gewisse, entlarvende Bissigkeit dabei ist. Paradebeispiel ist hier Postal, welcher so umfassend geschmacklos ist (der läßt wirklich nichts aus), dass man schon ins Nachdenken kommt. Hat meiner Ansicht nach schon eine gewisse Katharsis Funktion. Mit Kritikern geht Uwe Boll übrigens recht konsequent um, er verprügelt sie. So konsequent wie seine Filme eben.
Cobra Killer
8 Dezember 2008 | Schlagwörter:Life, Music | Keine Kommentare
Und ich war dabei, Bilder hat der Marti(y)n gemacht. Kann man hier angucken. Ich bin da auch irgendwo zu sehen (stocknüchtern selbstverständlich).
Alles neu
5 Dezember 2008 | Schlagwörter:Economy, Revolution, USA, World | Keine Kommentare
Da ich mich ja beständig weigere am Automobilwahn teilzunehmen (ich habe zum Beispiel keinen Führerschein und auch nicht vor einen zu machen) freut es mich um so mehr wie es da jenseits des großen Teiches gerade den Bach heruntergeht. Meine Weigerung kommt ja nicht von ungefähr, ich habe einfach ein Problem damit wenn irgendwelche Schnösel meinen sie müssten sich ein Abgas-Monster zulegen nur weil sie nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Die US-Amerikanischen Autobauer sind hier das “leuchtende” Beispiel, ich weiß gar nicht ob die überhaupt wissen wie man “Sprit sparender Kleinwagen” schreibt.
Nun mag man mutmaßen, dass es da ja noch genug andere Produzenten gibt, die ebenso nicht wirklich schadstoffarme Ungetüme herstellen. Richtig. Das Schöne ist, denen geht es genau so an den Kragen. Manchmal sorgt die Globalisierung doch auch mal für ein wenig Gerechtigkeit. Hin und wieder ein gescheiter Zusammenbruch schafft Möglichkeiten.
Re-Captcha
5 Oktober 2008 | Schlagwörter:Community, History, Orga | Keine Kommentare
Hab ich jetzt auch. Ein Kommentar muss mit gültigem Captcha versehen sein damit er überhaupt die Chance hat genehmigt zu werden. Zusätzlich behalte ich mir sowieso die Option vor alles vor Veröffentlichung querzulesen, teils wegen der aktuellen Rechtslage, teils um Trolle fernzuhalten (die gelten ja nicht primär als Spam).
ReCaptcha funktioniert folgendermaßen: Die Eingabe verlangt die Eingabe von zwei Wörtern, eins kennt die Datenbank, das andere stammt aus einem gescannten Text und ist unbekannt. Wenn also beide eingegeben werden hilft man damit dem Digitalisieren alter Texte, und das ist gut und so. Schummeln klappt übrigens nicht, man weiß ja nicht welches Wort schon bekannt ist.
Ich finde die Idee sogar so gut, dass ich händeringend nach einem Projekt suche wo man das noch etwas ausweiten kann, also: ich bekomme den Text, und tippe den dann ab. Bisher war meine Suche noch recht erfolglos, wer da was weiß, Kommentieren. Damit wäre dann wieder ein weißer Fleck auf der Landkarte historischer Texte weniger vorhanden.



